Training ist wichtiger denn je!

Training ist wichtiger denn je!
đŸ©șđŸ’ȘGesundheitstraining in Zeiten der Pandemie: Experten plĂ€dieren fĂŒr Öffnung der Fitnessstudios ☝
 
📋 đŸ€” Warum Fitness- und Gesundheitsstudios wieder geöffnet werden sollten und was das mit der BekĂ€mpfung der Corona-Pandemie zu tun hat, erklĂ€ren der Vorstand der IKK SĂŒdwest Prof. Dr. Jörg Loth đŸ€“ und Prof. Dr. Arne Morsch 👹‍🩰, Dozent an der Deutschen Hochschule fĂŒr PrĂ€vention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), im Interview.
 
đŸ‘‰â—ïžSie setzen sich dafĂŒr ein, dass Fitness-und Gesundheitsanlagen priorisiert geöffnet werden sollen. Warum halten Sie das fĂŒr wichtig?
 
đŸ€“Jörg Loth: Bewegung ist extrem wichtig fĂŒr die PrĂ€vention von Erkrankungen: Es ist erwiesen, dass regelmĂ€ĂŸiges Training vor Volkskrankheiten wie Diabetes, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schĂŒtzt. FĂŒr viele bleibt das Training seit Monaten aus, das kann schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben.
Es geht aber auch darum, denjenigen zu helfen, die akut Hilfe brauchen. Nehmen wir das Beispiel RĂŒckenschmerzen. Diese sind auch wĂ€hrend der Corona-Krise die zweithĂ€ufigste Ursache fĂŒr Krankschreibungen. Wer an Schmerzen leidet, braucht Training, um wieder gesund zu werden. Wenn Gesundheits- sowie Fitnesseinrichtungen geschlossen sind und auch der Sport in unseren Vereinen nicht möglich ist, wie sollen Betroffene dann etwas gegen ihre Beschwerden tun?
Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Training im Studio sicher ist, wenn die Hygienemaßnahmen umgesetzt werden. Also beispielsweise Schnelltests, Maske tragen und eine begrenzte Anzahl von Trainierenden.
 
đŸ‘‰â—ïžSie sprechen das Thema Volkskrankheiten an. Wie ist die Lage im Saarland?
 
đŸ€“Jörg Loth: Die Entwicklung von Volkskrankheiten im Saarland ist besorgniserregend. Bereits mehr als zehn Prozent der SaarlĂ€nder leiden an Diabetes und die Zahlen steigen stark an.Das sehen wir auch bei anderen Krankheiten wie Adipositas oder Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Mehr als 80 Prozent der Krankheitslast im Saarland liegt auf solchen vermeidbaren Volkskrankheiten und Bewegungsmangel ist dabei ein zentraler Risikofaktor.
Wir schaffen die Patienten von morgen, wenn wir den Zugang zu einem PrĂ€ventionstraining nicht möglich machen (Lesen Sie auch: ‘PrĂ€vention statt Stillstand’). Das bedeutet auch eine finanzielle Mehrbelastung der Solidargemeinschaft: die Behandlungskosten solcher Erkrankungen sind hoch und oftmals lebenslang aufzubringen.
Gerade jetzt brauchen die Menschen regelmĂ€ĂŸiges Ausdauer- und Krafttraining, um sich besser vor Erkrankungen und schweren Corona-VerlĂ€ufen zu schĂŒtzen. Studien zeigen, dass Diabetes, Bluthochdruck und weitere Volkskrankheiten das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen.
 
👹‍🩰Arne Morsch: Aktuelle Studien zeigen, dass eine gute körperliche LeistungsfĂ€higkeit durch regelmĂ€ĂŸiges Training vor schweren VerlĂ€ufen bei einer COVID-Infektion schĂŒtzen kann. Die Öffnung der Studios – und der dadurch entstehende Gesundheitsnutzen – sollte Teil der BekĂ€mpfung dieser Pandemie sein.
Hier gibt es die besten Voraussetzungen, ein individuelles Training zu absolvieren, das wissenschaftlich fundiert ist. Das Saarland-Modell und die Öffnung der Einrichtungen und des Breitensports waren wegweisend und richtig.
Ich bin der Meinung, dass es eine neue Perspektive auf das Thema PrÀvention geben sollte. Der Fokus sollte auf der Person liegen und individuell geschaut werden, was zu tun ist. Das funktioniert am besten in Fitness- und Gesundheitsstudios.
Hier ist geschultes Personal vor Ort, das erst mal den Fitness- und Gesundheitszustand eines Trainierenden ermittelt. Darauf aufbauend werden dann Trainingsziele gesetzt, ein Plan entworfen und umgesetzt. Und die Effekte fĂŒr die Gesundheit können dann auch regelmĂ€ĂŸig evaluiert werden.
Je besser die körperliche Fitness, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts bei einer Infektion.
 
đŸ‘‰â—ïžWelchen Einfluss hat das Schließen der Fitness- und Gesundheitsanlagen auf das Trainingsverhalten?
 
👹‍🩰Arne Morsch: Wir haben Mitglieder von Fitnesseinrichtungen befragt als die Studios wieder öffnen durften (Hier zu den umfangreichen Ergebnissen der ‘DHfPG Corona-Studie’ ). Da haben wir festgestellt, dass sich das Training positiv auf die körperliche und mentale Gesundheit der Trainierenden ausgewirkt hat.
Die Motivation und die TrainingshĂ€ufigkeit haben wĂ€hrend der Schließung messbar gelitten, weniger Menschen haben zuhause oder im Freien trainiert. Als wieder geöffnet wurde, haben sich die Mitglieder wieder bewegt, sich besser gefĂŒhlt und etwas fĂŒr ihre Gesundheit getan.
Fitness- und Gesundheitsanlagen haben einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. Sie sind keine Freizeiteinrichtungen, sondern bedeutsame Gesundheitsdienstleister. Daher ist die Öffnung der Anlagen so wichtig.
 
đŸ€“Jörg Loth: Genau, der Einbezug dieser Einrichtungen in das Saarland-Modell durch unsere Landesregierung war und ist ein erfolgversprechender Weg, der zudem wissenschaftlich gut abgesichert werden kann. Gleichermaßen wichtig ist die Ermöglichung des Vereinssports.
Wenn es das Infektionsgeschehen rund um die aktuell fokussierten Inzidenzen zulĂ€sst, kann durch die schnellstmögliche Wiederöffnung der Einrichtungen ein ganz wesentlicher Beitrag fĂŒr die Gesundheit der Menschen geleistet werden.
Das angeleitete Training in Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen gehört in dieselbe Kategorie wie eine Physiotherapie: es ist genauso wichtig fĂŒr den Erhalt der Gesundheit. Wir mĂŒssen uns daher mit der Frage auseinandersetzen, ob solche Leistungen den Menschen kĂŒnftig, Ă€hnlich wie eine verschriebene Physiotherapie oder Krankengymnastik, zur VerfĂŒgung gestellt werden können.
Denn eines ist unbestritten: die Entstehung und Chronifizierung einer Erkrankung zu vermeiden, muss oberste PrioritÀt haben.
 
đŸ€”Wer könnte diesen Argumenten etwas entgegensetzen? Wir wissen es (scheinbar) alle, dennoch kĂŒndigen weiterhin viele Menschen in Deutschland ihre Fitnessmitgliedschaft gerade jetzt. Warum? Weil sie nicht ausreichend informiert sind. Weil sie ein Jahr lang mit kaum oder ganz ohne Sport ausgekommen sind. Weil sie nicht wissen, dass dieser Zustand sie in der Zukunft krank machen wird. Es gibt nur einen Weg aus der gefĂ€hrlichen Ahnungslosigkeit:
 
‌‌Setz dich fĂŒr die Gesundheit Deiner Mitmenschen und Lieben ein‌‌
 
Werde zum Gesundheits-Botschafter und klĂ€re die Menschen in deinem Freundes-, Arbeits- und Bekanntenkreis darĂŒber auf, wie wichtig gerade jetzt ein gefĂŒhrtes individuelles Krafttraining ist. Mach ihnen klar, dass etwas Bewegung und ein paar Übungen zu Hause nicht reichen. ErklĂ€re ihnen, dass ein Training erst dann den Körper gesund hĂ€lt, wenn ein entsprechender Reiz gesetzt wird. Dieser ist natĂŒrlich vom Alter, Geschlecht und Fitnesszustand des einzelnen abhĂ€ngig und sollte daher professionell von einem Trainer begleitet und kontrolliert werden.
 
FĂŒr den ungeĂŒbten (egal welchen Alters) kann die AusfĂŒhrung einer Kniebeuge, LiegestĂŒtze oder kombinierter Übungen schon zu einer Überlastung fĂŒhren.
 
Wir haben ein Jahr lang mit der Angst vor Covid gelebt, sorgen wir dafĂŒr, dass wir nicht die nĂ€chsten Jahre mit der Angst leben, einen gesunden Lebenswandel eingebĂŒĂŸt zu haben.

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